Warum ist die Klärung der Rangordnung so wichtig ?

 

Auch wenn man es manchen Rassen nicht mehr ansieht: Alle unsere Hunde stammen vom Wolf ab. Und auch nach Jahrtausenden der Domestikation, also der Haustierwerdung des Hundes ist ein wesentliches Grundverhaltensmuster des Wolfes verblieben: Seine Orientierung auf ein Leben in einem Rudelverband, in dem eine klare Rangordnung besteht.

Wölfe und Wildhunde leben in der Regel in einem mehrere Tiere umfassenden Rudel, meist aus mehreren Generationen bestehend, selten in Paarbeziehungen, noch seltener als Einzelindividuen.

In jedem Rudel gibt es eine Hierarchie der männlichen und eine Hierarchie der weiblichen Mitglieder. Es gibt also jeweils ein männliches und ein weibliches sogenanntes Alphatier, welche ganz oben stehen.

Die Alphatiere haben besondere Rechte: Sie allein dürfen sich verpaaren, sie entscheiden, wann das Rudel zur Jagd aufbricht, was und wie gejagt wird, bei Nahrungsknappheit können sie sich zuerst satt essen. Sie liegen auf erhöhten Flächen, so dass sie alles im Blick haben. Andere Rudelmitglieder müssen den Weg frei machen, wenn das Alphatier kommt. Sie dulden es nicht, dass ein anderes Tier über sie hinweg steigt. Sie bestimmen generell, wie nah ihnen ein Rudelmitglied kommen darf.

Wenn ein Alphatier nach einem Ausflug ins Rudel zurückkehrt, kommen die anderen Rudelmitglieder an, lecken ihm die Lefzen ab – das Alphatier schreitet einfach hoheitsvoll hindurch. Das Wesentliche im Verhalten der Alphatiere ist: Sie agieren, die Rudelmitglieder reagieren.

Alphatiere sind nun keineswegs unbedingt die körperlich stärksten Tiere. Sie zeichnen sich vor allem durch ruhige Überlegenheit, konsequentes Handeln, erfolgreiches Tun (Jagderfolg) und das richtige Maßregeln anderer Rudelmitglieder, die sich zu viel herausnehmen wollen, zur rechten Zeit aus. Alphatiere haben sozusagen immer alles im Blick.

Die unter den Alphatieren stehenden Tiere sind nun nicht alle gleichberechtigt, sondern fechten untereinander die verschiedenen Rangpositionen aus. Das Rangordnungsgefüge eines Rudels ist nie statisch, sondern in Bewegung: Jungtiere werden geschlechtsreif, messen sich zunehmend zunächst untereinander und dann mit den nächsthöheren Rudelmitgliedern, die Alphatiere werden ebenfalls älter, damit auch irgendwann schwächer und müssen ihre Positionen räumen.

Entscheidend ist nun, dass zur Rangordnungsfeststellung keineswegs ständige Kämpfe stattfinden. Das wäre für das gesamte Rudel kontraproduktiv, denn durch Kämpfe geschwächte, verletzte Rudelmitglieder sind auf gemeinsamer Jagd nicht voll einsatzfähig. Vieles geht daher über subtile Dinge im Alltag, über Verhaltensweisen und über Körpersprache. Man kann seine ranghöhere Stellung auch ohne körperliche Auseinandersetzung klarstellen.

Wenn Menschen mit einem Hund leben, müssen sie ihm klarmachen, dass er unter den erwachsenen Familienmitgliedern steht – ansonsten kann es erhebliche Probleme geben, die von „einfacher" Gehorsamsverweigerung hin zu gefährlichen Angriffen des Hundes auf seine Besitzer reichen können.

Einen Hund demokratisch und antiautoritär erziehen zu wollen ist wider die Natur des Hundes und Ursache vieler Problemverhaltensweisen beim Hund. Es führt nicht nur zu Dominanzproblemen sondern auch häufig zu verunsicherten Hunden, die den Lebensalltag nicht bewältigen können, weil ihnen die Stütze durch einen starken Rudelchef fehlt.

Die eigene Autorität stellt man aber keinesfalls durch Prügel her, sondern in dem man das Verhalten von Alphatieren kopiert:

Egal, was der kleine Fratz auch anstellt: sie bleiben gelassen, ruhig und überlegen.

Der Mensch ist der, der agiert – der Hund reagiert: Sie bestimmen, wann gespielt und wann geschmust wird. Aufdringliches, Kontakt einforderndes Verhalten, wie Bellen, mit der Pfote kratzen, Anspringen etc., wird ignoriert.

Der Hund bekommt sein Futter immer erst dann, wenn sie gegessen haben.

Auch der Welpe sollte bereits für sein Futter etwas tun: Es wird ihm ein einfaches Sitz abverlangt, erst dann wird die Schüssel hingestellt.

Setzen sie im Alltag klare Ge- und Verbote und achten sie auf konsequente Einhaltung. Sie müssen beharrlicher sein als der Welpe – ohne sich ihre eventuell zunehmende Wut anmerken zu lassen.

Hundegerechte Strafmöglichkeiten sind: Kontaktabbruch, Ignorieren, böse, tiefe Stimme, böses Starren in die Augen des Welpen, über den Welpen hinüberbeugen, Griff über den Fang, im Nackenfell packen und auf den Boden drücken, den Welpen blitzschnell auf den Rücken legen und dort halten bis er nicht mehr strampelt und den Kopf zur Seite wendet. Besonders die letzte Maßnahme ist sehr massiv und sollte grundsätzlich nur dann angewandt werden, wenn der Welpe sie als seinen Besitzer offensiv androht und wenn er sich vom Fanggriff oder auf den Boden drücken nicht beeindruckt zeigt.

Sie können bereits mit dem Welpen üben, dass grundsätzlich sie als Erster durch eine Tür gehen.

Gleiches gilt für Treppen: der Hund darf nicht voran stürmen.

Setzen sie sich öfters einmal in sein Körbchen und lesen sie dort einwenig.

Setzen sie dem Hund Tabuzonen. Wenn sie z.B. kein Problem damit haben, dass der Hund mit auf den Polstermöbeln sitzt, verbieten sie ihm trotzdem einen einzigen Sessel/eine Sofaecke.

Befehlen sie ihm auch immer mal wieder, dass er sein Lieblingsplätzchen räumen muss.

Wenn der Hund im Weg liegt, fordern sie ihn ruhig auf, aufzustehen – auch wenn genügend Platz wäre, um ihn herum zu kurven.

Daneben sollten sie aber auch bewusst über den liegenden Hund hinübersteigen.

Machen sie täglich etwas Fellpflege – auch wenn die nicht nötig wäre. Gewöhnen sie ihren Welpen auf sanfte Art daran, dass sie ihn überall anfassen dürfen und dass sie ihn z.B. auch auf den Rücken rollen und dort halten – die absolute Unterwerfungsposition für den Welpen.

Setzen sie sich immer mal wieder neben das Futterschälchen des Welpen, ziehen es ihm während des Fressens weg und legen ihm noch zusätzliches Futter hinein.

Üben sie von Anfang an, dass der Welpe etwas, was er im Fang hat, ihnen herauszugeben hat. Probieren sie es erst auf die sanfte Tour: Er hat z.B. ein Rinderohr im Fang, sie bieten ihm ein Leckerchen an, das er noch lieber hat – vielleicht ein Stück Trockenfleisch. In dem Moment wo er das Ohr fallen lässt, sagen sie >Aus< - so lernt er durch vielfache Wiederholung, dass >Aus< heißt, etwas wieder herzugeben. In einer nächsten Stufe sagen sie >Aus< zu ihm, bieten ihm aber kein Ersatzobjekt an – vermutlich wird er seinen Schatz nicht hergeben. Jetzt greifen sie mit einer Hand über seinen Fang, drücken die Lefzen hinter die Reißzähne gegen das Zahnfleisch, sagen >Aus<. Dies ist unangenehm für den Hund und er macht reflexartig den Fang auf.

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