So gewöhnen sie ihren Welpen ans Alleinbleiben

Hunde sind als sozial lebende Rudeltiere nicht darauf eingestellt, allein zu sein. Das ständige, lange Alleinlassen des Hundes – egal ob in Zwinger, im Garten, in der Wohnung oder im Auto ist ein artwidriger Zustand! Da wir unsere Hunde aber allein lassen müssen, bzw. manchmal auch allein lassen möchten, muss bereits der Welpe langsam, behutsam ans Alleinbleiben gewöhnt werden. Wenn Welpen in Abwesenheit der Besitzer jaulen, bellen, in die Wohnung machen oder Dinge zerlegen, gründet sich dies in den meisten Fällen auf Trennungsangst, manchmal auch auf schlichte Langeweile. Die Welpen „strafen" ihre Besitzer nicht für deren Weggang, indem sie z.B. kostbare Gegenstände zerkauen, sondern agieren lediglich ihren seelischen Stress, im Falle des Anknabberns einfach ihr Kaubedürfnis in der Phase des Zahnens aus.

Bestrafen sie niemals ihren Welpen für eine „Untat", die er in ihrer Abwesenheit verbrochen hat. Er verknüpft die Bestrafung lediglich mit ihrer Wiederkehr, was zu einer Störung seines Vertrauensverhältnisses in sie führen kann. Er verknüpft die Strafe nicht mit seiner Missetat! Strafe wirkt grundsätzlich nur, wenn man den Hund in flagranti ertappt. Auch wenn sie meinen, der Welpe schaue sie so schuldbewusst an, so ist das in Wirklichkeit nur seine Reaktion auf ihre ärgerliche Ausstrahlung, die der Hund bereits bemerkt hat, bevor sie überhaupt einen Ton gesagt haben.

Hunde unterscheiden sich von ihrer Wesensveranlagung her, wie gut sie allein bleiben können. Manche Menschen haben nie Probleme mit ihrem Welpen, andere müssen wirklich in winzigen Schritten trainieren. Generell gilt: Je sicherer und stabiler ein Welpe in seinem Wesen ist und je ausgelasteter und zufriedener er ist, desto besser kann er auch allein bleiben.

Wer Probleme mit dem Alleinbleiben hat, hat meistens auch Probleme mit seinem Selbstbewusstsein! Ein Hund, der nicht aus sich heraus sicher ist, sondern eine Sicherheit immer nur durch die Anbindung an seinen Menschen hat, steht natürlich unter Stress, wenn dieser ihm Sicherheit gebende Mensch nicht da ist.

Was sie nicht tun sollten:

Erwarten, dass der Welpe mit dem Älterwerden quasi von alleine lernt, dass Alleinsein nichts schlimmes ist. Es geht nicht, dass sie z.B. drei Urlaubswochen lang ununterbrochen mit ihm zusammen sind und dann erwarten, dass er von jetzt auf gleich die fünf Stunden, die sie berufstätig sind, ruhig allein in der Wohnung bleibt.

Große Verabschiedungsszenen nach dem Motto: „So jetzt sei schön brav, Mama kommt gleich wieder, bin gar nicht lange weg", verbunden mit tröstendem Knuddeln und Schmusen.

Große Wiedervereinigungsszenen, nach dem Motto: Tür auf, begeistert auf das arme zurückgelassene Hündchen stürzen, herzen und küssen, immer wieder dafür loben, wie brav es gewesen ist.

Den Welpen immer dann allein lassen, wenn sie es eben nicht anders einrichten können.

 

Was sie tun sollten:

Spätestens nachdem der Welpe eine Woche bei ihnen ist, sollten Sie beginnen, täglich mehrmals das Alleinbleiben zu üben. Anfangs lehnen sie z.B. die Tür an, wenn sie in ein anderes Zimmer gehen und der Welpe hinterher kommt. Für die Dauer des morgendlichen Duschens muss er vor der Badezimmertür sitzen, sie bringen den Müll nach draußen, ohne das der Welpe sie begleiten darf etc.

Steigern sie die Dauer ihrer Abwesenheit kontinuierlich Minutenweise.

Üben sie das Alleinbleiben anfangs vor allem zu Zeiten, zu denen der Welpe müde ist, z.B. nach einem ausgedehnten Spaziergang.

Gehen sie mehrfach in der Kleidung und Ausrüstung (Jacke, Tasche, Schlüssel etc.) mit der sie das Haus für längere Zeit verlassen werden. Gehen sie aber nur kurz vor die Tür und kommen dann gleich wieder zurück. Hunde beobachten sehr genau und wissen nach kurzer Zeit, was sie alles unternehmen, wenn sie für längere Zeit aus dem Haus gehen. Zukünftig werten die Hunde dann die Signale aus und wissen, dass sie länger wegbleiben werden, woraufhin viele Hunde unverzüglich in Panik geraten.

Verzichten sie unbedingt auf Verabschiedungsszenen. Verlassen sie kommentarlos das Haus – egal ob sie nur kurz beim Nachbarn etwas abholen wollen oder zu einem Kinobesuch oder zur Arbeit aufbrechen.

Wenn sie nach Hause kommen, sagen sie maximal kurz „Hallo" zu ihrem Hund, legen erst in Ruhe den Mantel ab, stellen die Tasche zur Seite, schenken sich vielleicht ein Glas Wasser ein, dann erst wird ihr Hund etwas ausführlicher mit kurzen Streicheleinheiten begrüßt.

Große Verabschiedungs- und Wiedervereinigungsszenen putschen die Situation lediglich emotional auf. Also: Auch wenn es schwer fällt, sich nicht selbst voller Freude bei der Heimkehr sofort auf den lieben kleinen Welpen zu stürzen: halten sie sich im Zaum!

Sperren sie den Welpen nicht nur in einem Raum ein aus der Motivation heraus, dass er so nur einen Raum „verwüstet". Die meisten Welpen können das Alleinsein besser verkraften, wenn sie sich möglichst frei bewegen können.

Räumen sie vorausschauend die Dinge zur Seite, von denen sie wissen, dass ihr Welpe dafür ein brennendes Interesse hegt (vor allem Lebensmittel weg stellen und Mülleimer fest verschließen). Sie ersparen sich Ärger, vor allem aber verhindern sie Erfolgserlebnisse des Hundes, die ihn immer wieder dazu verleiten würden, bei der nächsten günstigen Gelegenheit zuzuschlagen.

Versuchen sie, niemals zum Hund zurückzukehren, wenn der gerade Jault oder Bellt, weil dieser sonst denkt, sein Bellen als Hilferuf habe sie zurück geholt, so dass er diese Methode zukünftig immer wieder anwendet. Auch der hartnäckigste Beller muss einmal nach Luft schnappen. In der Sekunde öffnen sie die Tür zu ihm.

Machen sie keine zu großen Trainingssprünge.

Binden sie ihn im Haus, im Garten und auf Spaziergängen einfach mal für kurze Zeit an, ignorieren ihn und kehren zu ihm zurück, wenn er sich ruhig verhält. Alles ohne großes Getue!

Erwidern sie nicht grundsätzlich jedes seiner Kontaktangebote, sondern ignorieren sie ihn auch mal, so dass er lernt, dass sie nicht in jeder Minute für ihn verfügbar sind. Etwaiges Geheule wird einfach ignoriert.

Und wenn sie angesichts neuer Verwüstungen oder dem Ärger mit den lieben Nachbarn, die sich über das Geheul beschweren, in Wut geraten, halten sie einen Moment inne und fragen sie sich, ob sie es einem Kleinkind zumuten würden, stundenlang sich selbst überlassen zu sein. Vermutlich nicht – aber Welpen sind eben auch nur „Kleinkinder" !

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©Beatrix Zeisberg